Wem gehört 1&1? Eigentümer, Konzernstruktur und das eigene NetzKI unterstützt

Wem gehört 1&1? Eigentümer, Konzernstruktur und das eigene Netz

Zu wem gehört 1&1? Die kurze Antwort

Hinter der Marke steht die 1&1 AG mit Sitz in Montabaur im Westerwald. Mehrheitseigentümer ist die United Internet AG, die gut 80 Prozent der Anteile hält. Der Rest liegt im Streubesitz, denn die 1&1 AG ist selbst börsennotiert und wird im SDAX gehandelt. Wer einen DSL-Vertrag oder eine All-Net-Flat bei 1&1 abschließt, ist damit Kunde eines Unternehmens, das wirtschaftlich zum Konzernverbund von United Internet gehört.

Die Struktur ist historisch gewachsen und wirkt auf den ersten Blick verschachtelt. Es gibt die 1&1 AG als Telekommunikationsanbieter, die 1&1 Telecommunication SE als Zwischenholding, die 1&1 Versatel GmbH als Netzbetreiber im Festnetz und eine ganze Reihe weiterer Tochterunternehmen mit eigenen Marken. Alle Fäden laufen bei der United Internet AG zusammen, deren Großaktionär wiederum der Gründer Ralph Dommermuth ist.

Welche Firma steckt hinter 1&1? Die 1&1 AG im Detail

Die 1&1 AG verkauft Mobilfunkverträge, DSL- und Glasfaseranschlüsse an Privat- und Geschäftskunden. Rund 16 Millionen Kundenverträge laufen über das Unternehmen, der größere Teil davon im Mobilfunk, etwa vier Millionen im Festnetz. Gemessen an der Kundenzahl ist die 1&1 AG damit nach Telekom, Vodafone und Telefónica die Nummer vier am deutschen Markt.

Lange war 1&1 ein reiner Service-Provider und mietete Kapazitäten im Mobilfunknetz anderer Betreiber. Mit dem Start der mobilen Dienste im eigenen Mobilfunknetz Ende 2023 hat sich das geändert. Seitdem baut das Unternehmen ein eigenes 5G-Netz auf und tritt als vierter Netzbetreiber auf. Stand Dezember 2025 läuft der Standortausbau weiter, parallel werden Bestandskunden schrittweise auf das 1&1 5G-Netz migriert.

Die Aktie der 1&1 AG ist frei handelbar, der Einfluss der Streubesitzaktionäre bleibt wegen der Mehrheit von United Internet aber begrenzt. Strategische Entscheidungen, etwa über Investitionshöhe und Ausbautempo im Netz, fallen faktisch im Konzern.

United Internet als Mehrheitseigentümer

Die United Internet AG ist ein börsennotierter Internetkonzern, ebenfalls mit Sitz in Montabaur. Der Umsatz der Gruppe liegt bei rund sechs Milliarden Euro im Jahr, beschäftigt werden etwa 10.000 Menschen. United Internet bündelt drei Geschäftsbereiche: Access, also das Telekommunikationsgeschäft über die 1&1 AG, Applications mit den Marken GMX, WEB.DE und mail.com sowie das Hosting- und Cloud-Geschäft unter der Marke IONOS.

Wichtig für das Verständnis: Nicht alles, was den Namen 1&1 trägt, gehört auch zur 1&1 AG. Die 1&1 Mail & Media GmbH mit GMX und WEB.DE hängt direkt unter der United Internet AG, ebenso die Netzsparte im Festnetz. Die Marke wird quer durch den Konzern genutzt, die Gesellschaftsstruktur folgt dem nur teilweise. Für Kunden ist das irrelevant, für die Frage nach den Eigentümern nicht.

Finanziell ist die 1&1 AG der größte Umsatzbringer der Gruppe. Rund zwei Drittel des Konzernumsatzes von United Internet entfallen auf das Telekommunikationsgeschäft. Der Netzaufbau ist entsprechend das teuerste Projekt, das United Internet je gestemmt hat, mit Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich allein in der Aufbauphase.

Ralph Dommermuth und sein Anteil an United Internet

Ralph Dommermuth gründete 1988 in Montabaur das Unternehmen, aus dem die heutige United Internet AG hervorging, zunächst als kleine Vertriebs- und Marketingagentur für Telekommunikationsprodukte. Er ist Vorstandsvorsitzender der United Internet AG und hält über eine eigene Beteiligungsgesellschaft rund 40 Prozent der Aktien. Damit ist Ralph Dommermuth mit Abstand größter Einzelaktionär und bestimmt die Richtung des Konzerns.

Der Aufbau eines vierten Mobilfunknetzes geht maßgeblich auf ihn zurück. 2019 ersteigerte das Unternehmen Frequenzen für rund 1,07 Milliarden Euro und übernahm damit Versorgungsauflagen gegenüber der Bundesnetzagentur. Verzögerungen beim Standortaufbau in den Jahren 2022 und 2023 kosteten Geld, Vertrauen am Kapitalmarkt und am Ende auch einen Teil der Glaubwürdigkeit des Zeitplans. Die Entscheidung selbst wurde nie zurückgenommen.

Sascha D’Avis an der Spitze der 1&1 AG

Das Tagesgeschäft liegt nicht mehr in denselben Händen wie die Konzernleitung. Sascha D’Avis führt als Vorstandsvorsitzender die 1&1 AG und verantwortet Vertrieb, Tarifpolitik, Marken und Kundenservice. Für Technik und Netzbetrieb ist Tobias Koch, Vorstand Operations, zuständig, also für Standortakquise, Inbetriebnahme der Funkzellen und den laufenden Betrieb. Ralph Dommermuth bleibt über die United Internet AG der bestimmende Gesellschafter im Hintergrund.

Von 1&1 Drillisch zur 1&1 AG: die Geschichte der Struktur

Die heutigen Eigentumsverhältnisse entstanden 2017. United Internet brachte damals sein gesamtes Telekommunikationsgeschäft in die börsennotierte Drillisch AG ein und erhielt dafür neue Aktien. Aus Drillisch wurde die 1&1 Drillisch AG, United Internet hielt anschließend die Mehrheit. Drillisch selbst hatte eine eigene Geschichte als Mobilfunk-Discounter, brachte ein breites Portfolio an Marken sowie langfristige Einkaufsverträge über Netzkapazitäten bei Telefónica mit.

2021 folgte die Umbenennung in 1&1 AG. Der Name 1&1 Drillisch verschwand aus dem Börsenkürzel, operativ lebt Drillisch aber weiter: Die Drillisch Online GmbH mit Standort in Markt Schwaben bei München betreut die Discount-Marken des Konzerns. Dazu zählen sim.de, winSIM, PremiumSIM, smartmobil.de, handyvertrag.de und yourfone. Diese Marken zielen auf preissensible Kunden und laufen bewusst getrennt von der Hauptmarke, oft mit aggressiven Aktionspreisen und kurzen Laufzeiten.

Die 1&1 Telecommunication SE als Bindeglied

Formal lief die Einbringung über die 1&1 Telecommunication SE. Diese Gesellschaft bündelte das frühere Telekommunikationsgeschäft der United Internet AG und wurde als Ganzes auf die damalige Drillisch AG übertragen. Unter der 1&1 Telecommunication SE hängen bis heute operative Einheiten wie die 1&1 Telecom GmbH und die 1&1 Marketing GmbH. Für Kunden ist diese Ebene unsichtbar, sie taucht nur im Impressum, in Vertragsunterlagen und in Geschäftsberichten auf.

1&1 Versatel: Glasfaser im Hintergrund

Ein wesentlicher Teil der Infrastruktur liegt bei der 1&1 Versatel GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben ein Glasfasernetz von mehr als 50.000 Kilometern Länge und gehört damit zu den größten alternativen Netzbetreibern in Deutschland. Kunden sind Geschäftskunden, Stadtwerke, Behörden, Rechenzentren und andere Carrier, die Vorleistungen einkaufen.

Für das Mobilfunknetz ist 1&1 Versatel zentral. Jeder Antennenstandort braucht eine leistungsfähige Anbindung, und genau diese Glasfaserzuführung liefert die Schwestergesellschaft. 1&1 Versatel gehört allerdings nicht zur 1&1 AG, sondern direkt zur United Internet AG. Die beiden Unternehmen rechnen ihre Leistungen untereinander ab, was in den Quartalsberichten als Umsatz zwischen Konzerngesellschaften auftaucht. Ohne die Vorarbeit von 1&1 Versatel wäre der Netzaufbau in der geplanten Form kaum finanzierbar gewesen.

Das 1&1 O-RAN-Netz: eine Architektur ohne Altlasten

Technisch geht 1&1 einen anderen Weg als die drei etablierten Betreiber. Das 1&1 O-RAN-Netz basiert von Anfang an auf Open-RAN-Technologie, also auf offenen Schnittstellen zwischen Antennen, Funkmodulen und der Steuerungssoftware. Statt eines einzelnen Ausrüsters für die komplette Funkzelle lassen sich Komponenten verschiedener Hersteller kombinieren. Rakuten Symphony lieferte die Plattform, Steuerfunktionen laufen virtualisiert in Rechenzentren statt in Hardware am Mast.

Praktisch bedeutet die 1&1 O-RAN-Architektur, dass Softwareupdates zentral eingespielt werden und einzelne Funktionen schneller ausgetauscht werden können. An den Standorten kommen MIMO-Antennen zum Einsatz, die mehrere Datenströme parallel übertragen und die Kapazität pro Zelle deutlich erhöhen. Das 1&1 O-RAN-Konzept gilt in der Branche als Testfall: Funktioniert es im Flächenbetrieb, wird der Ansatz auch für andere Betreiber interessant.

Die Kehrseite zeigte sich im Zeitplan. Ein 1&1 O-RAN-Standort braucht neben Mast und Technik auch Strom, Glasfaser und Genehmigung, und genau an dieser

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