KI unterstützt
Wem gehört Bentley? Eigentümer, Geschichte und Modelle der Marke
- Redaktion
- 21. Oktober 2026
- Unternehmen
- 0 Comments
Die Eigentumsfrage lässt sich in einem Satz beantworten: Bentley gehört zum Volkswagen-Konzern, und zwar vollständig. Spannender als die Antwort ist der Weg dorthin, denn kaum eine andere Luxusmarke hat so viele Besitzerwechsel, Insolvenzen und juristische Spitzfindigkeiten überstanden wie diese. Zwischen der Gründung 1919 in London und der heutigen Konzernzugehörigkeit liegen eine Zwangsversteigerung, 67 Jahre unter dem Dach eines Konkurrenten und ein Bieterwettstreit, der 1998 zwei deutsche Autokonzerne gegeneinander antreten ließ.
Zu wem gehört Bentley? Die Volkswagen AG hält alle Anteile
Seit dem 1. Juli 1998 ist Bentley Motors eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Volkswagen-Konzerns. Die Volkswagen AG mit Sitz in Wolfsburg erwarb damals für rund 430 Millionen Pfund das Werk im englischen Crewe, die Markenrechte an Bentley sowie die Produktionsanlagen des britischen Herstellers vom Rüstungs- und Maschinenbaukonzern Vickers. Seither hat sich an dieser Konstellation nichts geändert.
Innerhalb des Konzerns wurde die Zuordnung allerdings mehrfach justiert. Seit März 2021 wird Bentley im Audi-Markenverbund geführt, zusammen mit Lamborghini und Ducati. Das bedeutet keinen Eigentümerwechsel, sondern eine Veränderung der Berichtslinien: Die Marke Bentley meldet ihre Zahlen über Audi an die Konzernspitze. Die operative Führung sitzt weiterhin in Crewe, das Produkt, das Design und die Handwerksbetriebe bleiben britisch.
Dass ein deutscher Volumenhersteller eine britische Luxusmarke besitzt, ist weder ungewöhnlich noch historisch einzigartig. Bentley stand von 1931 bis 1998 ohnehin nicht in eigener Regie, sondern gehörte erst Rolls-Royce, dann Vickers. Die Jahre unter Volkswagen sind inzwischen die längste Phase, in der das Unternehmen konstant einen Eigentümer hatte und zugleich eine eigenständige Modellpolitik fahren durfte.
Bentley Motors Ltd: Firmensitz Crewe, rund 4.000 Beschäftigte
Die operative Gesellschaft heißt bis heute Bentley Motors Ltd und ist im britischen Handelsregister als eigenständiges Unternehmen eingetragen. Der Standort an der Pyms Lane in Crewe, Cheshire, umfasst Entwicklung, Design, Motorenmontage, Karosseriebau, Lackiererei, Sattlerei und Endmontage auf einem Gelände von rund 80 Hektar. Etwa 4.000 Menschen arbeiten dort, ein erheblicher Teil davon in manuellen Tätigkeiten, die in keiner Großserienfabrik mehr existieren.
Die Produktionszahlen bewegen sich je nach Jahr zwischen gut 10.000 und knapp 15.000 Fahrzeugen. Zum Vergleich: Der Volkswagen-Konzern liefert im gleichen Zeitraum rund neun Millionen Autos aus. Bentley Motors ist also gemessen am Volumen eine Randnotiz, gemessen an der Marge und am Markenwert aber eine der interessantesten Einheiten des Konzerns. Die wichtigsten Absatzmärkte sind die USA, China, Großbritannien und der Nahe Osten.
Dass die Bezeichnung Bentley Motors Ltd seit 1919 fast durchgehend Bestand hat, ist bemerkenswert, weil das Unternehmen dahinter mehrfach komplett neu aufgesetzt wurde. Die Firmierung überlebte Konkurs, Übernahme und Konzernumbau.
W.O. Bentley, London und die ersten Motoren
Walter Owen Bentley, zeitlebens nur W.O. genannt, war Eisenbahningenieur, bevor er mit seinem Bruder in London Autos der französischen Marke DFP importierte. Sein technisches Gespür zeigte sich früh: W.O. experimentierte mit Aluminiumkolben und holte damit deutlich mehr Leistung aus kleinen Motoren. Im Ersten Weltkrieg entwickelte er für die Royal Naval Air Service die Umlaufmotoren BR1 und BR2, zwei der zuverlässigsten Flugzeugtriebwerke jener Jahre.
Am 18. Januar 1919 ließ W.O. die Bentley Motors Ltd eintragen, zunächst mit einer Werkstatt in der Nähe von Cricklewood im Nordwesten von London. Das erste Auto, der 3 Litre, wurde 1921 ausgeliefert. Sein Vierzylinder hatte vier Ventile pro Zylinder und zwei Zündkerzen, eine Konstruktion, die in Serienfahrzeugen jener Zeit praktisch nicht vorkam. W.O. gab auf jedes Fahrgestell fünf Jahre Garantie, eine für 1921 waghalsige Zusage.
Die Geschichte der Marke Bentley beginnt damit als Ingenieursgeschichte, nicht als Luxusgeschichte. W.O. baute schnelle, haltbare Fahrgestelle und überließ die Karosserien den Londoner Stellmachern wie Vanden Plas oder H.J. Mulliner. Luxus entstand bei den Kunden, nicht im Werk. Erst Jahrzehnte später wurde der Innenausbau zum eigentlichen Markenzeichen.
Die Bentley Boys und sechs Siege in Le Mans
Den Ruf des Unternehmens begründete eine Gruppe wohlhabender britischer Amateurfahrer, die als Bentley Boys in die Motorsportgeschichte eingingen. Woolf Barnato, Tim Birkin, Glen Kidston, Dudley Benjafield und Sammy Davis fuhren die schweren Wagen aus Cricklewood mit einer Mischung aus Disziplin und Draufgängertum. Barnato, Erbe eines Diamantenvermögens, finanzierte das Unternehmen ab 1926 und wurde Vorsitzender.
In Le Mans gewann Bentley 1924, dann vier Mal in Folge von 1927 bis 1930. Der Vierfachsieg der Speed Six und 4½-Litre-Modelle machte die Marke international bekannt. Ettore Bugatti soll die Wagen als die schnellsten Lastwagen der Welt bezeichnet haben, ein Spott, der die Philosophie recht genau trifft: große Hubräume, hohes Drehmoment, robuste Motoren statt filigraner Leichtbaukunst. Der sechste Gesamtsieg in Le Mans folgte erst 2003 mit dem Speed 8, einem Prototyp, der technisch eng mit Audi verwandt war und damit bereits aus der Konzernära stammte.
Der sportliche Erfolg half wirtschaftlich wenig. Die Weltwirtschaftskrise traf die Käuferschicht hart, der 1930 vorgestellte 8 Litre fand kaum Abnehmer, und im Juli 1931 ging Bentley Motors in die Zwangsverwaltung.
Was hat Bentley mit Rolls-Royce zu tun?
Sehr viel, und genau das sorgt bis heute für Verwirrung. Im November 1931 kaufte Rolls-Royce die insolvente Firma, getarnt über eine Treuhandgesellschaft namens British Central Equitable Trust. W.O. erfuhr angeblich erst aus der Zeitung, wer sein neuer Arbeitgeber war. Der Konkurrent Napier hatte ebenfalls geboten und war bereits in Verhandlungen, Rolls-Royce überbot ihn im letzten Moment.
Für W.O. bedeutete die Übernahme das Ende seiner Gestaltungsfreiheit. Sein Vertrag band ihn bis 1935 an Rolls-Royce, konstruktiv durfte er kaum noch eingreifen. Anschließend wechselte er zu Lagonda. Die Fahrzeuge, die ab 1933 in Derby unter seinem Namen entstanden, der 3½ Litre und später der 4¼ Litre, basierten auf Rolls-Royce-Technik. Die Werbung nannte sie den stillsten Sportwagen der Welt, und tatsächlich waren diese Derby Bentley deutlich kultivierter als die lauten Rennwagen aus London.
Nach 1945 verlagerte Rolls-Royce den Automobilbau nach Crewe, in ein Werk, das 1938 für die Fertigung von Merlin-Motoren errichtet worden war. Dort entstanden über Jahrzehnte Fahrzeuge, die sich nur noch im Kühlergrill und im Preis unterschieden: Der Bentley R-Type und der Rolls-Royce Silver Dawn teilten sich Karosserie, Fahrwerk und Motoren. Der Bentley T und der Rolls-Royce Silver Shadow waren faktisch dasselbe Auto. In den 1970er Jahren lag der Anteil von Bentley am Absatz zeitweise unter fünf Prozent, die Marke drohte zum bloßen Badge zu verkümmern.
Die Wende kam 1982 mit dem Mulsanne Turbo, benannt nach der Geraden in Le Mans. Erstmals seit Jahrzehnten gab es wieder ein Fahrzeug, das klar sportlicher ausgelegt war als sein Pendant mit dem Pantheon-Grill. Bis Ende der 1980er Jahre hatte Bentley Rolls-Royce im Absatz überholt.
Die Trennung 1998: Rolls-Royce-Konzern, Vickers und zwei deutsche Bieter
1971 war Rolls-Royce Ltd an den Entwicklungskosten des Triebwerks RB211 zerbrochen und wurde verstaatlicht. Die Automobilsparte wurde 1973 als Rolls-Royce Motors ausgegliedert und 1980 vom Mischkonzern Vickers übernommen. Als Vickers 1997 ankündigte, Rolls-Royce Motors Cars und Bentley zu verkaufen, begann einer der kuriosesten Übernahmeprozesse der Branche.
BMW lieferte bereits Motoren für den Rolls-Royce Silver Seraph und den Bentley Arnage und galt als natürlicher Käufer. Volkswagen bot mehr und bekam den Zuschlag: das Werk Crewe, die Markenrechte an Bentley, die Rechte an der Kühlerform und an der Figur Spirit of Ecstasy sowie die gesamte Produktion. Was Volkswagen nicht bekam, waren die Namensrechte an Rolls-Royce. Die lagen beim Flugzeugtriebwerkshersteller Rolls-Royce plc, der sie für 40 Millionen Pfund an BMW verkaufte.
Die beiden Konzerne einigten sich auf eine Übergangsfrist. Bis zum 31. Dezember 2002 durfte Volkswagen in Crewe weiterhin Fahrzeuge beider Marken bauen. Seit dem 1. Januar 2003 produziert BMW Rolls-Royce im neuen Werk Goodwood in West Sussex, während Bentley Motors in Crewe blieb. Die Übernahme wurde damals vielfach als teurer Fehlgriff kommentiert. Rückblickend hat Volkswagen die produzierende Substanz bekommen und BMW einen Namen, der bei null anfangen musste.
Rolls-Royce Motors heute: getrennte Wege, keine gemeinsamen Teile
Zwischen den beiden Marken besteht seit 2003 keine technische Verbindung mehr. Rolls-Royce Motor Cars gehört zur BMW Group, nutzt BMW-Motoren und eine eigene Aluminiumarchitektur. Bentley greift auf Plattformen und Motoren aus dem Volkswagen-Konzern zurück, etwa die MSB-Architektur, die Continental GT und Flying Spur mit dem Porsche Panamera teilen. Wer heute einen Rolls-Royce und einen Bentley nebeneinander stellt, findet außer der Herkunft aus England und dem Preisniveau wenig Gemeinsames. Die Rolls-Royce Motors der Vickers-Jahre existiert nur noch als historische Firmierung.
Welche Luxusmarken gehören zur Volkswagen AG?
Der Konzern führt ein ungewöhnlich breites Markenportfolio. Neben Volkswagen Pkw und Volkswagen Nutzfahrzeuge gehören Audi, Škoda, SEAT mit der Submarke Cupra, Porsche, Lamborghini, Ducati sowie die Nutzfahrzeugmarken MAN, Scania und Navistar unter das Dach in Wolfsburg. Im oberen Preissegment sind damit Audi, Porsche, Lamborghini und Bentley vertreten.
Bugatti nimmt eine Sonderstellung ein. Die Marke wurde 1998 ebenfalls von Volkswagen erworben, 2021 aber in das Gemeinschaft
