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Wem gehört Ferrero? Eigentümer, Holding und Familienmacht hinter Nutella
- Redaktion
- 14. Oktober 2026
- Unternehmen
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Zu wem gehört Ferrero? Die kurze Antwort
Ferrero ist vollständig in Familienbesitz. Kein Börsengang, keine Private-Equity-Fonds, keine fremden Anteilseigner. Die Kontrolle liegt bei der Familie Ferrero, gebündelt über die Dachgesellschaft Ferrero International S.A. mit Sitz in Luxemburg. Faktischer Kopf des Ganzen ist Giovanni Ferrero, Enkel des Gründers. Damit gehört eines der größten Süßwarenunternehmen der Welt bis heute einer einzigen Familie, und zwar in dritter Generation.
Ferrero International S.A.: die Holding über der Ferrero Gruppe
Die Ferrero Gruppe ist kein einzelnes Unternehmen, sondern ein Geflecht aus Produktionsgesellschaften, Vertriebsfirmen und mehreren Holding Gesellschaften. An der Spitze steht Ferrero International S.A. in Luxemburg. Darunter hängen die operativen Einheiten, unter anderem die italienische Ferrero S.p.A. mit dem Stammwerk in Alba im Piemont und die Ferrero Deutschland GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Werk in Stadtallendorf in Hessen ist bis heute einer der größten Produktionsstandorte der Gruppe, mit mehreren Tausend Beschäftigten.
Das Tagesgeschäft führt seit 2017 Lapo Civiletti als Group CEO, der erste familienfremde Vorstandschef in der Geschichte des Konzerns. An der Eigentümerfrage ändert das nichts. Giovanni Ferrero ist Executive Chairman und bestimmt die strategische Leitung. Diese Trennung zwischen angestelltem Management und familiärer Kontrolle ist typisch für große europäische Familienunternehmen, die bewusst nicht an die Börse gehen. Wer keine Quartalszahlen liefern muss, kann Investitionen über zehn Jahre planen.
Rund 18 Milliarden Euro Umsatz, kaum öffentliche Zahlen
Die Gruppe meldete zuletzt einen konsolidierten Umsatz in der Größenordnung von 18 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 47.000 Menschen in über 30 Werken. Mehr erfährt die Öffentlichkeit selten. Es gibt keinen Analystencall, keine Investorenpräsentation, nur einen knappen jährlichen Bericht. Diese Verschwiegenheit ist Teil der Firmenkultur, seit Michele Ferrero die Rezepturen als Betriebsgeheimnis behandelte.
Von Pietro bis Michele Ferrero: drei Generationen Familiengeschichte
Angefangen hat alles 1946 in Alba. Der Konditor Pietro Ferrero verarbeitete die reichlich vorhandenen Haselnüssen der Region zu einer festen Masse, weil Kakao nach dem Krieg knapp und teuer war. Aus der Pasta Gianduja wurde 1951 die streichfähige Supercrema, aus Supercrema 1964 Nutella. Pietro Ferrero starb bereits 1949, sein Bruder Giovanni Ferrero und sein Sohn Michele führten das Geschäft weiter. Der kaufmännische Teil der Familiengeschichte beginnt also mit einem Todesfall, nicht mit einem Masterplan.
Michele Ferrero prägte das Unternehmen über vier Jahrzehnte. Unter seiner Führung entstanden fast alle Marken, die das Sortiment bis heute tragen: Mon Chéri 1956, Kinder Schokolade 1968, Tic Tac 1969, Ferrero Küsschen und schließlich 1982 Ferrero Rocher. Seine Leidenschaft galt dem Produkt selbst, er verkostete angeblich bis ins hohe Alter persönlich. Michele Ferrero galt lange als reichster Mann Italiens und starb im Februar 2015. Sein Erbe ging geschlossen an die Familie, nicht an Investoren.
Giovanni Ferrero, der Nutella Milliardär an der Spitze
Giovanni Ferrero, geboren 1964, führte das Familienunternehmen zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Pietro. Nach dessen tödlichem Fahrradunfall in Südafrika im Jahr 2011 lag die Verantwortung allein bei ihm. Seit dem Tod des Vaters 2015 kontrolliert er die Gruppe praktisch vollständig.
Sein Vermögen wird je nach Bewertungsmethode auf einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag in US-Dollar geschätzt, womit der Unternehmer konstant zu den reichsten Menschen Europas zählt. In Medien taucht er fast nur als Nutella Milliardär auf. Pressefotos sind rar, in Bildarchiven wie Getty Images findet sich eine überschaubare Zahl von Aufnahmen, meist von Preisverleihungen. Giovanni Ferrero gibt kaum Interviews, lebt überwiegend in Brüssel und Monaco und hat nebenbei mehrere Romane veröffentlicht. Operativ hält er sich seit der Berufung von Lapo Civiletti zurück, bei großen Zukäufen entscheidet er selbst.
Was gehört alles zum Konzern: von Kinder Schokolade bis Tic Tac
Das Kerngeschäft bilden weiterhin die klassischen Produkte aus Italien und Deutschland. Dazu kommen seit 2015 Zukäufe in Großbritannien und Nordamerika, die das Portfolio weit über Pralinen und Brotaufstriche hinaus verbreitert haben.
| Bereich | Marken |
|---|---|
| Brotaufstrich | Nutella, Nutella B-ready, Nutella Biscuits |
| Pralinen | Ferrero Rocher, Mon Chéri, Raffaello, Giotto, Ferrero Küsschen |
| Kinder Linie | Kinder Schokolade, Kinder Riegel, Kinder Überraschung, Kinder Bueno, Kinder Pingüi |
| Snacks | Hanuta, Duplo, Yogurette, Milch-Schnitte |
| Zuckerwaren | Tic Tac, Estathé, Fruittella (in Teilmärkten) |
| Zukäufe | Thorntons, Ferrara Candy Company, Butterfinger, Keebler, Blue Bunny, Halo Top |
Ferrara Candy Company und der Einkauf in den USA
2015 übernahm die Gruppe die britische Schokoladenkette Thorntons. 2017 folgte die Ferrara Candy Company aus Chicago, bekannt für Brause- und Gummiwaren wie Trolli, Lemonhead und Black Forest. Die Ferrara Candy Company wird bis heute als eigenständige Einheit innerhalb der Gruppe geführt, mit eigener Marktpositionierung und eigenem Vertrieb.
2018 kaufte Ferrero das US-Süßwarengeschäft von Nestlé für rund 2,8 Milliarden US-Dollar, 2019 das Keksgeschäft von Kellogg, 2022 den Eishersteller Wells Enterprises. 2025 kam die Vereinbarung über die Übernahme des US-Cerealiengeschäfts WK Kellogg hinzu. Die Logik dahinter: Wachstum in Kategorien, die saisonal und regional anders laufen als Pralinen, deren Absatz stark vom Weihnachts- und Ostergeschäft abhängt.
Hat Ferrero Nestlé gekauft? Wem gehört Ferrero im Vergleich
Nein. Gekauft wurde 2018 ausschließlich das nordamerikanische Süßwarengeschäft von Nestlé, also Marken wie Butterfinger, Baby Ruth, Crunch, SweeTarts und Nerds. Der Schweizer Konzern selbst ist börsennotiert, um ein Vielfaches größer und völlig unabhängig. Umgekehrt gilt: Niemand hat Ferrero gekauft, und es ist auch nicht möglich, Anteile zu erwerben. Wer wissen will, wem Ferrero gehört, findet im Handelsregister keine Fonds, sondern Holding Gesellschaften der Familie.
Warum Ferrero immer wieder in der Kritik steht
Drei Punkte kehren regelmäßig wieder. Erstens die Rohstoffe: Ein erheblicher Teil der weltweit geernteten Haselnüssen stammt aus der Türkei, wo Menschenrechtsorganisationen wiederholt Kinderarbeit und prekäre Bedingungen bei Saisonarbeitern dokumentiert haben. Ferrero verweist auf eigene Rückverfolgbarkeitsprogramme, lückenlos ist das System nicht. Beim Palmöl schneidet die Gruppe in NGO-Rankings vergleichsweise gut ab, weil zertifizierte, segregierte Ware eingesetzt wird.
Zweitens die Nährwerte und die Werbung. Nutella besteht zu mehr als der Hälfte aus Zucker, dazu kommt Palmöl. Verbraucherorganisationen wie foodwatch kritisieren seit Jahren, dass Produkte dieser Zusammensetzung als Frühstück oder leichter Snack beworben werden, und dass die Kinder Linie ausgerechnet die jüngsten Konsumenten adressiert. Drittens die Rückrufaktion 2022: Nach Salmonellenfunden im belgischen Werk Arlon mussten europaweit Produkte aus dem Handel genommen werden, der Fall beschädigte das Vertrauen spürbar.
Wem gehört Nutella heute, und wem gehört Ferrero morgen?

